Sechs Jahrzehnte
der Improvisation
Von den heimlichen „Katakomben“ zur ECM-Bühne und den Festivals der Welt: die Geschichte einer Musik, die zur Sprache der polnischen Freiheit wurde.
Zeitleiste im Kontext ↗Jazz im Untergrund
Unter dem Stalinismus galt Jazz als „imperialistische Musik“. Er wurde im Geheimen gespielt, in Privatwohnungen und Kellern, daher der Name „Katakomben“. Die Musik wurde zu einem stillen Akt des Widerstands.
Das Festival von Sopot
Das politische Tauwetter bringt den Jazz ans Licht. Das erste Jazzmusik-Festival in Sopot zieht Menschenmengen an, und ein junger Krzysztof Komeda gibt dort sein Debüt.
Jazz Jamboree
Das Warschauer Jazz Jamboree beginnt, bald eines der wichtigsten Jazzfestivals östlich des Eisernen Vorhangs und ein Fenster zur Welt für polnische Musiker.
Das Messer im Wasser
Krzysztof Komeda schreibt die Musik zu Roman Polańskis Spielfilmdebüt. Der Jazz hält Einzug ins polnische Kino und gewinnt eine neue, filmische Erzählweise.
„Lola“
Zbigniew Namysłowski nimmt „Lola“ in London für das Label Decca auf, eines der ersten modernen polnischen Jazzalben, die im Westen entstanden.
Die Reihe Polish Jazz
Polskie Nagrania Muza startet die Reihe Polish Jazz. In zwei Jahrzehnten veröffentlicht sie Dutzende Platten, die den Kanon der nationalen Szene bilden.
„Astigmatic“
Das Komeda Quintet nimmt das Album auf, das den europäischen Jazz von der amerikanischen Vorlage befreit. Die polnische Szene findet ihre eigene modale, lyrische Stimme.
Komedas Tod
Krzysztof Komeda stirbt mit 37 Jahren, kurz nach seiner Rückkehr aus Amerika. Er hinterlässt einen Katalog, der für die polnische Szene der Bezugspunkt bleibt.
Fusion und New York
Michał Urbaniak und Urszula Dudziak erobern die USA und verschmelzen Jazz mit Funk und Elektronik. Der polnische Jazz wird zum Exportgut.
Jazz jenseits der Hauptstadt
Die Szene breitet sich über Warschau und Krakau hinaus aus. Regionale Festivals und Clubs bauen im Osten und Westen des Landes lokale Jazzgemeinschaften auf.
Die Yass-Szene der Dreistadt
An der Wende der 1980er und 1990er Jahre lehnen junge Musiker der Dreistadt den akademischen Jazz ab. Die Band Miłość und Künstler wie Tymański und Trzaska bauen eine unabhängige, improvisierte Szene auf.
Stańkos Lyrik
Tomasz Stańko nimmt für das Münchner Label ECM auf. Das Album „Litania“ (1997), Komedas Musik gewidmet, erinnert die Welt an die Wurzeln der polnischen Szene.
Die Możdżer-Generation
Leszek Możdżer und das Marcin Wasilewski Trio tragen den polnischen Jazz ins 21. Jahrhundert: ausverkaufte Säle, Preise und ein neues, junges Publikum.
Stańkos Tod
Tomasz Stańko, der international bekannteste polnische Jazzmusiker, stirbt. Der raue, lyrische Klang seiner Trompete bleibt ein Vorbild für die nachfolgenden Generationen.
Ein lebendiger Atlas
Die Bühnen sind voll, die Festivals zahlreich, und der Katalog wächst stetig. Dieser Atlas dokumentiert, was Bestand hat und was gerade erst beginnt.
Den Atlas betreten ↗