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Zeitleiste · von 1947 bis heute

Sechs Jahrzehnte
der Improvisation

Von den heimlichen „Katakomben“ zur ECM-Bühne und den Festivals der Welt: die Geschichte einer Musik, die zur Sprache der polnischen Freiheit wurde.

Zeitleiste im Kontext
1940er und 50er Jahre
Katakomben

Jazz im Untergrund

Unter dem Stalinismus galt Jazz als „imperialistische Musik“. Er wurde im Geheimen gespielt, in Privatwohnungen und Kellern, daher der Name „Katakomben“. Die Musik wurde zu einem stillen Akt des Widerstands.

Durchbruch · das Tauwetter
1956

Das Festival von Sopot

Das politische Tauwetter bringt den Jazz ans Licht. Das erste Jazzmusik-Festival in Sopot zieht Menschenmengen an, und ein junger Krzysztof Komeda gibt dort sein Debüt.

FOTOSopot 1956 · Menge vor der Bühne
Institution
1958

Jazz Jamboree

Das Warschauer Jazz Jamboree beginnt, bald eines der wichtigsten Jazzfestivals östlich des Eisernen Vorhangs und ein Fenster zur Welt für polnische Musiker.

Kino und Jazz
1962

Das Messer im Wasser

Krzysztof Komeda schreibt die Musik zu Roman Polańskis Spielfilmdebüt. Der Jazz hält Einzug ins polnische Kino und gewinnt eine neue, filmische Erzählweise.

Export auf Platte
1964

„Lola“

Zbigniew Namysłowski nimmt „Lola“ in London für das Label Decca auf, eines der ersten modernen polnischen Jazzalben, die im Westen entstanden.

Das Label
1965

Die Reihe Polish Jazz

Polskie Nagrania Muza startet die Reihe Polish Jazz. In zwei Jahrzehnten veröffentlicht sie Dutzende Platten, die den Kanon der nationalen Szene bilden.

Goldenes Jahrzehnt
1966

„Astigmatic“

Das Komeda Quintet nimmt das Album auf, das den europäischen Jazz von der amerikanischen Vorlage befreit. Die polnische Szene findet ihre eigene modale, lyrische Stimme.

COVERAstigmatic · 1966
Ein Verlust
1969

Komedas Tod

Krzysztof Komeda stirbt mit 37 Jahren, kurz nach seiner Rückkehr aus Amerika. Er hinterlässt einen Katalog, der für die polnische Szene der Bezugspunkt bleibt.

Export
1970er Jahre

Fusion und New York

Michał Urbaniak und Urszula Dudziak erobern die USA und verschmelzen Jazz mit Funk und Elektronik. Der polnische Jazz wird zum Exportgut.

Die Regionen
1980er Jahre

Jazz jenseits der Hauptstadt

Die Szene breitet sich über Warschau und Krakau hinaus aus. Regionale Festivals und Clubs bauen im Osten und Westen des Landes lokale Jazzgemeinschaften auf.

Rebellion
Yass

Die Yass-Szene der Dreistadt

An der Wende der 1980er und 1990er Jahre lehnen junge Musiker der Dreistadt den akademischen Jazz ab. Die Band Miłość und Künstler wie Tymański und Trzaska bauen eine unabhängige, improvisierte Szene auf.

FOTODreistadt · die Yass-Szene
Reife · ECM
1990er Jahre

Stańkos Lyrik

Tomasz Stańko nimmt für das Münchner Label ECM auf. Das Album „Litania“ (1997), Komedas Musik gewidmet, erinnert die Welt an die Wurzeln der polnischen Szene.

Wiederbelebung
2000+

Die Możdżer-Generation

Leszek Możdżer und das Marcin Wasilewski Trio tragen den polnischen Jazz ins 21. Jahrhundert: ausverkaufte Säle, Preise und ein neues, junges Publikum.

Abschied
2018

Stańkos Tod

Tomasz Stańko, der international bekannteste polnische Jazzmusiker, stirbt. Der raue, lyrische Klang seiner Trompete bleibt ein Vorbild für die nachfolgenden Generationen.

Heute
2026

Ein lebendiger Atlas

Die Bühnen sind voll, die Festivals zahlreich, und der Katalog wächst stetig. Dieser Atlas dokumentiert, was Bestand hat und was gerade erst beginnt.

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